Das Karabaghische Pferd

Rasseporträt:

Das Karabaghische Pferd des 19. Jahrhunderts

Das Karabaghpferd, wie auch jede andere Rasse, war nicht von Anfang an einheitlich im Typ. Der Grund dafür war, dass man sie mit anderen Pferderassen gekreuzt hat: mit arabischen, persischen und turkmenischen Pferderassen. Der berühmte russische Kunstmaler W. W. Wereschtschagin schrieb 1970: ...die besten Pferde, die ich je in meinem Leben gesehen habe - sind in Schuscha und gehören dem 'Dschafarkula Hana'-Betrieb. Ich habe nirgends solche Pferde gesehen. Eines davon habe ich nach der Natur gemalt und zwar einen betriebseigenen Hengst.

Über das Karabaghpferd (Djul-djul, Gyrat, Bosat)

Über Ausdauer und Schönheit erzählen der volkstümliche Epos, wie z. B. Werke der aserbaidschanischen Dichter Nisami und Hagani. In der Literaturgeschichte werden die Linien der Hengste Majmun, Karny-Ertyg, Aljetmes (Dschejran) und andere Pferde beschrieben. Pferde dieser Linien werden mit folgenden besonderen Merkmalen charakterisiert:

Der Typ Majmun hat eine breite Stirn, einen längeren Rumpf und eine stark entwickelte Kruppe. Im Vergleich mit den anderen Typen ist Majmun ein guter Dauerläufer, widerstandsfähig, hat aber weniger Temperament.

Für den Typ der Linie Karny-Ertyg ist die Schönheit, insbesondere die Kopf- und Halsform ein besonderes Merkmal; die Bewegungen sind graziös und fließend, der Charakter friedlich. In der Ausdauer und Kraft stehen sie aber dem Typ Majmun nach.

Die charakteristischen Merkmale der Pferde des Typs Aljetmes sind der leicht gebaute Rumpf; die Bewegungen sind qualitativ sehr gut und ausgeprägt. In Kraft und Ausdauer liegt der Aljetmes-Typ zwischen Majmun und Karny-Ertyg, aber auf kurzen Strecken ist er den anderen weit voraus.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der Karabaghzucht ein neuer Pferdetyp der Tekke-Dschejran. Diese entstanden durch die Kreuzung mit den turkmenischen Pferden Achal-Tekke. Die Vertreter dieser Linie Tekke-Dschejran sind stark gebaute und gute Reitpferde geworden.

Während dieser Zeit entstand noch ein anderer Typ Karabaghpferde, der Tochmak. Diese Pferde vom Typ Tochmak sind vergleichbar groß, schnell, ausdauernd und haben eine goldrote Farbe.

Zucht und Nutzungsvorzüge des Karabaghpferdes wurden von den Zeitgenossen hochgeschätzt. Vertreter dieser Rasse wurden ausgestellt auf den Allrussischen Pferdemessen in den Jahren 1866, 1869, 1872.

W. I. Koptew, ein Kenner der russischen Pferdezucht, schreibt: Bei der zweiten Allrussischen Pferdeausstellung im Jahr 1869 bekamen die Karabaghhengste Majmun eine Prämie in Höhe von 300 Rubel und die Silbermedaille, Molotok die Bronzemedaille und Sol´binas ist mit einem Belobigungsschreiben ausgezeichnet worden. Auf der Ausstellung wurden 22 Pferde vorgestellt, unter denen auch viele elegante, goldfarbene Karabagh und Dil´boser von edlem Exterieur waren, die den Vollblutaraber-Pferden sehr ähneln.

Die Pferde der Karabaghrasse sind auf vielen Pferdeausstellungen ausgezeichnet worden. 1866 in Moskau auf der 1. Allrussischen Pferdeausstellung der kaukasischen Pferde ist ein reinrassiger Hengst Chan vorgestellt worden. Dieser Karabaghhengst wurde auch 1867 in Paris bei der Weltausstellung vorgestellt und mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

Im Brief von der Weltausstellung in Paris berichtete W. I. Koptew, dass das karabaghische Pferd weit über die Grenzen des Kaukasus bekannt wurde. In Algier und sogar in Arabien ist selten ein solches Pferd mit so einem wunderschönen Kopf und so wohlproportioniert wie das Karabaghpferd!

Die Pferde der Karabaghrasse wurden vorgestellt auf der Ausstellung, die die kaukasische Landwirtschaftsgesellschaft 1869 in Tiflis organisierte. Anlässlich dieser Ausstellung hat Prof. A.S. Tasmamschew vermerkt: Auf dieser Ausstellung sind unter anderen Rassen neun Karabaghpferde, die in etlichen Ortschaften des Kaukasus eine besondere Rolle spielen bei der Übernahme zur Verbesserung der lokalen Pferderassen.

Auch bei der dritten Allrussischen Pferdeausstellung im Jahre 1872 nahmen Karabaghpferde in Moskau teil. Der dritte Preis ging an Karabaghhengst Bajram.

Im Jahr 1912, bei der ersten Kreisausstellung der Pferdezucht in Pyatigorsk wurden von den Gegenden um Schuscha und Schamchora 11 Pferde der Karabaghrasse, solche wie Maral, Dschejran, Pachliwan und andere vorgestellt.

Das Karabaghpferd zählte zu den wertvollsten Geschenken. 1956 überreichte die sowjetische Regierung (Chruschtschow) der Königin Queen Elizabeth von England den goldfalben Karabaghhengst Zaman vom Gestüt Agdam als Geschenk. Zaman produzierte im Gestüt Juanita Berlau. In ihrem Schreiben teilte Juanita Berlau mit: Wir erfreuen uns an der herrlichen Farbe und dem ausgezeichneten Temperament von 'Zaman'. Er ist sogar besser als der Vollblutaraber. Auch im dichtesten Straßenverkehr ist er nicht ängstlich, nicht beunruhigt und stolpert nicht. Er überquert breite Flüsse und schlägt sich durch tiefen Morast. Bei uns hat er großes Interesse gefunden, und wir sind stolz auf diesen Hengst. Wir können sagen, dass Zaman jedes andere Pferd weit übertrifft.

Mit Zaman ist meine goldrote Stute Azalija gepaart worden, sie bekam daraufhin ein Stutfohlen Jasmin.

Verbreitungsgebiete der Karabaghpferde

Heimisch ist der Karabagh in Aserbaidschan. Man muss bemerken, dass die reinrassigen aber hauptsächlich in den Gestüten Schuscha und Agdam zu finden sind.

Das heißt aber nicht, dass es nicht auch in anderen Gebieten gute Karabaghen gibt. Obwohl die besten Karabaghen bei den Beken und Chanen zu finden waren, gab es auch in Georgien und Armenien Karabaghen.

Anhand der Stutbuchunterlagen (anderer Gestüte) wurden Karabaghpferde auch im Nordkaukasus (Donpferd), sowie in vielen anderen Gestüten in Südrussland zur Veredelung eingesetzt, wo sie großen Einfluss auf die Entstehung der Don- und der Kabardinerrasse hatten.

Außerdem gab es in den Herden in der Nähe von Signach und Telaw (Tifliser Verwaltungsbezirk) etwa 200 Karabaghpferde.

Der Pferdezüchter K. Dietrich berichtet in der Zeitschrift der Pferdezucht: Einen Beitrag zur Entwicklung der Orlow-Rasse haben Pferde mit Karabaghischem Blut geleistet, im Betrieb Rostoptschina wurden Araberhengste mit von Karabaghen abstammenden Stuten gekreuzt.

Die Karabaghstute Barrakt wurde im Streletzker Betrieb eingesetzt, ihr Sohn Garif war Deckhengst im Gestüt Janow, und der silberweiße Hengst Surmali, sowie der Hengst Aljetmes waren Deckhengste in Gestüt Lamarew.

Gründe, die zur Verringerung des Bestandes und zur Qualitätsminderung der Karabaghpferde führten

Das Ende des 19. Jahrhunderts ist als Beginn des qualitativen und quantitativen Untergangs der Karabaghen zu bezeichnen. Die Reduzierung der Pferde in Aserbaidschan, hauptsächlich der Karabaghpferde, hat zum Tiefstand der Pferdezucht im ganzen Transkaukasus geführt. Im Jahr 1883 sind es 27 % der als tauglich bezeichneten Pferde vom Gesamtbestand, 1891 nur noch 19,6 % des Gesamtbestandes zuchttauglicher Pferde. Die Qualitätsverschlechterung der aserbaidschanischen Pferdezucht wurde zurückgeführt auf den massenhaften Verkauf der besten Pferde (Karabagh und Dil´boser) ins Ausland.

Im Jahr 1823 hatte eine englische Kommission auf einmal für viel Geld, bezahlt in holländischen Dukaten, 60 Stuten vom Chan-Betrieb Mechtikul Chana eingekauft. Dies hat den Betrieb ziemlich geschädigt, bemerkte K.B. Dieterichs.

Eine große Anzahl Karabaghen wurde nach Persien exportiert, die meisten im Jahre 1826. Die Ausfuhr der Karabaghpferde ist einer der wesentlichsten Gründe für den qualitativen und quantitativen Verfall der Karabaghzuchtbetriebe.

Auch die in der damaligen Zeit fehlenden veterinärmedizinischen Versorgungen hat mit dazu beigetragen, die Anzahl der Pferde und den Verlauf der Trächtigkeiten, sowie die Geburten der reinrassigen Pferde zu verringern.

Einen großen Einfluss auf die Verschlechterung der Pferdezucht in Aserbaidschan hatte auch die Ausfuhr der besten Herden ins Ausland und die Verkleinerung der Weiden, ausgelöst durch die Entwicklung in der Landwirtschaft und der produktiven Viehzucht, aber unter anderem auch der Erster Weltkrieg in den Jahren 1914 - 1918.

Im Zeitraum von 1914 bis 1921 verringerte sich die Pferdezahl gegenüber dem Jahr 1913 auf 63,5 %. Man musste auch den großen Verlust in der Pferdezucht hinnehmen, der in den ersten Jahren durch die Kollektivierung entstanden ist, wo die Konterrevolutionäre eine große Anzahl des landwirtschaftlichen Viehbestandes vernichtet haben, unter ihnen auch viele Rassepferde.

Nach der Regierungsübernahme durch die Sowjetmacht in Aserbaidschan hat die Pferdezucht, wie auch andere Zweige der Landwirtschaft der Republik ihre planmäßige Entwicklung erhalten. Der verringerte Pferdebestand hat sich schnell wieder vergrößert und 1926 war der Bestand schon höher als im Vorkriegsjahr 1913, 1940 waren bereits 135 % des Bestandes gegenüber 1913 wieder erreicht.

In den Jahren von 1926 bis 1928 gelang es Prof. I. I. Kalugin mit einer Expedition den Viehbestand Aserbaidschans zu untersuchen. Die Unterlagen dieser Untersuchungen charakterisieren den damaligen Zustand der Viehzucht in Aserbaidschan. In Untersuchungen des gegenwärtigen Bestands der Viehzucht in Aserbaidschan schreibt I. I. Kalugin: Die Teilnehmer der Expedition haben gesucht, aber die Karabaghrasse nicht gefunden, weil diese Rasse, von der so viel geredet wurde und wird, bereits seit 1905, dem Zeitpunkt der Liquidierung der meisten Betriebe, nicht mehr existierte. Bei sehr wenigen ehemaligen Pferdezüchtern blieben sie erhalten bis in die Jahre 1919 - 1920, bis auch die letzten Vertreter dieser Rasse spurlos (wörtl.: bis in alle Ewigkeit) verschwunden sind. Diese Ansicht von I. I. Kalugin führte dazu, dass die im Jahre 1928 vom Narkomsem (Landwirtschaftliches Volkskommissariat) in das Daschjuser Gebiet gesandten Zuchthengste: Bala-Majmun, Schamiltschik vom Typ Tochmak, Nadir, die Söhne Nadirs Nadir II, 1935 und Nochta, 1936, nicht im vollen Umfang eingesetzt wurden.

Nadir wurde bei der ersten Republikanischen Pferdeausstellung in Kirowabad 1936 vorgestellt.

Transkaukasus war schon vor dem Beitritt zur SU bekannt für seine berühmten, aber verschwundenen Pferderassen (Karabagher, Dil´boser), verlorengegangener Typ, äußere Merkmale, innere Qualitäten, aber bisher haben diese noch nicht ihre Eigenschaften eingebüßt bei der Erzeugung eines leistungsfähigen Pferdes für den heutigen Bedarf.

Um einen Pferdezuchtbetrieb zu organisieren, wurden die Pferde noch mal von Fachleuten für Pferdezucht und Mitarbeitern des Ministeriums für Landwirtschaft der Republik Aserbaidschan begutachtet und geprüft. Dabei wurde ein großer Teil nicht als karabaghtypisch anerkannt.

Die ausgewählten Pferde sind am 13. 5. 1948 als anerkannt typische Karabaghen, 22 Stuten mit Nachwuchs im Geflügelzuchthof eingezogen, wo ein Karabaghpferdezuchtbetrieb organisiert wurde, der dann den Grundstein der künftigen Zucht und Veredelung legte.

Am 25. und 26. Mai 1948 wurde von der Spezialkommission des Ministeriums unter Beteiligung der Zootechniker S. Sulfugarov, A. Dsachojew, S. Gassanow und Dozent P. Sattarsad eine Beurteilung durchgeführt, Gestütszeichen gebrannt und Namen vergeben.

Bei den jungen Pferden wurde auf der linken Schulter die Inventarnummer eingebrannt und auf der linken Hüfte das Geburtsjahr, bei den Stuten wurde nur die Inventarnummer gebrannt. Dann wurden die Pferde fotografiert und es entstand ein Album. So wurde das zukünftige Gestüt für die Karabaghzucht und Verbesserung gegründet.

Jedoch tauchten wesentliche Schwierigkeiten auf, weil kein passender Hengst zur Verfügung stand. Und, damit die Stuten nicht ohne Nachwuchs blieben, wurden die Stuten 1948 von Dnjestr, einem veredelten Donpferd von goldbrauner Farbe gedeckt, der vom Betrieb gekauft wurde.

Im November 1948 wurden vom Kirowabader Zuchtamt für das Gestüt drei Hengste arabischer Abstammung gekauft:

Kontingent, Kadmi, Parol, die im Frühjahr 1949 in Deckeinsatz gingen.

Der Chaldaner Geflügelzuchtbetrieb befand sich in der Region Schekin, die sich wesentlich von der Zone ursprünglichen Zone unterschied, wo die Karabaghpferde herstammten, deshalb wurde, um die Karabaghzucht in einem Betrieb zu konzentrieren, nach einem Beschluss des Ministeriums der Republik Aserbaidschan im Dorf Geg-Tapa, 8 km von Agdam entfernt, ein Gestüt der Karabaghen gegründet. Im September 1949 wurden die Pferde vom Geflügelzuchthof dem neugegründeten Gestüt Agdam übergeben.

In den Jahren 1950 bis 1961 hat sich das Gestüt weiter entwickelt, weitere Pferde wurden aus den Gestüten der Agdamer und Mardakerter Region übernommen. Dem Gestüt wurden auch Karabaghpferde übergeben, die aus dem Latschinski Pferdebetrieb Nr. 71 stammten. Dabei wurden die neu entdeckten Karabaghen dem Gestüt Agdam eingegliedert.

Endlich im September 1950 hat das Gestüt Agdam vom Terskergestüt 3 goldrote Hengste gekauft: Kadmi II, Sophist II und Korf II, sowie einen Terskerhengst Tuman. Sie gingen 1951 in Deckeinsatz.

Somit konnte man im Agdamer Gestüt 110 Pferde verzeichnen, davon 99 Stuten, mit denen die Arbeit zur Veredelung und Verbesserung der Karabaghrasse begonnen hat.

Von den im Agdamer Gestüt konzentrierten Pferden waren:

32 Stuten, geb. zwischen 1935 - 1940

33 Stuten, geb. zwischen 1941 - 1945

29 Stuten, geb. zwischen 1946 - 1948

11 Hengste

Die Pferde des Gestüts Agdam kamen von folgenden landwirtschaftlichen Betrieben und landwirtschaftlichen Kollektiven:

Region Erlachski: 3
Region Agdam: 30
Region Bardinski: 4
Region Mardakert: 35
Sowchose M. S. Kirow Latschinski: 10

Freundlicher Beitrag von Verena Scholian

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